Stand 26. Mai 2025 hatte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder genau fünf Online-Casino-Lizenzen vergeben — vier in Schleswig-Holstein, eine in Bayern. Bei rund 36 Prozent erwachsener Bundesbürger, die im selben Jahr in irgendeiner Form am Glücksspiel teilnahmen, ist das eine erstaunlich kleine Zahl. Wer als deutscher Spieler verstehen will, warum Giropay in den wenigen lizenzierten Häusern überhaupt eine Rolle spielen durfte, kommt an dieser Asymmetrie nicht vorbei.
Ich beobachte den deutschen Glücksspielmarkt seit 2017 als Zahlungs-Analyst und habe den Übergang vom Vor-GlüStV-Wildwuchs zum durchregulierten Markt unter der GGL aus nächster Nähe verfolgt. In diesem Artikel ordne ich den juristischen Rahmen so ein, wie ihn ein Praktiker sieht — nicht als Jurist, sondern als jemand, der Zahlungs-Architekturen unter dieser Regulierung gebaut hat. Im Mittelpunkt stehen die GGL, der Glücksspielstaatsvertrag von 2021, das Whitelist-Prinzip, das ehemalige Zusammenspiel mit Giropay als Bankzahlungs-Methode, das Werbeverbot, die Rolle deutscher Gerichte beim Thema Rückforderung von Verlusten und die aktuelle Lage Anfang 2026.
Die GGL als zentrale Aufsichts- und Erlaubnisbehörde
Wenn ich mit Kollegen aus anderen europäischen Märkten über die GGL spreche, fällt mir immer wieder dieselbe Verwechslung auf: Sie wird oft mit der MGA aus Malta oder der UKGC aus Großbritannien verglichen, dabei ist sie organisatorisch ein eigenes Tier. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle (Saale) ist ein Konstrukt, das die 16 Bundesländer 2021 gemeinsam ins Leben gerufen haben, weil Glücksspielrecht in Deutschland Ländersache ist und gleichzeitig eine bundesweite Durchsetzung notwendig wurde.
Die GGL ist seit dem 1. Januar 2023 voll handlungsfähig und übernimmt seither die Erlaubniserteilung, die Aufsicht und die Bekämpfung illegaler Anbieter für den gesamten Bundesmarkt — mit zwei wichtigen Ausnahmen. Erstens behält Schleswig-Holstein historisch eigene Lizenzen, die noch aus dem Sondervertrag von 2012 stammen und unter Bestandsschutz weiterlaufen. Zweitens ist Bayern für stationäre Spielbanken seit jeher eigener Akteur, was sich auch in einer einzelnen Online-Lizenz aus München niederschlägt.
Was die GGL operativ macht, lässt sich an einer Zahl ablesen, die selten in der Presse landet. Allein im Jahr 2024 leitete die Behörde 231 Untersagungsverfahren ein und prüfte rund 1700 Webseiten auf Verstöße. Das ist ein Volumen, das man in Deutschland vor 2021 in keiner Branche dieser Art gesehen hat. Aufseiten der Banken bedeutet das konkret: Wer als Zahlungsdienstleister Casino-Volumen abwickelt, lebt mit dem Risiko, jederzeit eine Anweisung der GGL zu bekommen, eingehende oder ausgehende Zahlungen zu einem Anbieter zu blockieren.
Für mich als Zahlungs-Analyst ist die GGL primär eine Schnittstellen-Institution. Sie kommuniziert direkt mit der BaFin, mit dem Bundeskriminalamt, mit den Innenministerien der Länder und seit 2024 zunehmend mit der EU-Kommission im Rahmen von AMLD6 und der neuen AMLA-Behörde. Diese Vernetzung ist der eigentliche Hebel, denn ohne die Mitwirkung der Banken und Zahlungsanbieter wäre die Whitelist-Logik nicht durchsetzbar. Genau hier liegt auch der Grund, warum Giropay zu seinen Lebzeiten so eng an die Lizenz-Frage geknüpft war.
Ronald Benter, der für die operative Leitung der GGL verantwortlich ist, fasste den Stand 2025 in einem Satz zusammen, der zwischen Eigenlob und Ernüchterung balanciert: „Unsere Maßnahmen zeigen Wirkung. Dennoch bleibt die Bekämpfung illegaler Angebote herausfordernd und erfordert Ausdauer und enge Zusammenarbeit mit nationalen wie internationalen Partnern.“ In dieser Formulierung steckt mehr als Behörden-Sprech. Sie zeichnet ein realistisches Bild: Der lizenzierte Markt wächst, der illegale Markt verliert Boden, aber die Verschiebung dauert.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 als Rechtsgrundlage
Wer sich fragt, warum Online-Casinos in Deutschland überhaupt 1-Euro-Spin-Limits haben und warum die Einzahlungs-Obergrenze bei 1000 Euro pro Monat liegt, landet unweigerlich beim Glücksspielstaatsvertrag 2021. Das Dokument ist 76 Seiten lang, voller Querverweise und an mehreren Stellen so spezifisch, dass es wie technische Spezifikation eines Software-Produkts wirkt. Genau diese Spezifizität ist der Schlüssel.
Der GlüStV 2021 trat am 1. Juli 2021 in Kraft und löste den vorherigen Staatsvertrag ab, der Online-Casinos außerhalb Schleswig-Holsteins faktisch verboten hatte. Mit dem neuen Vertrag wurde virtuelles Automatenspiel — sprich Slots — bundesweit legalisiert, allerdings unter einem dichten Korridor an Auflagen. Live-Tischspiele wie Roulette und Blackjack bleiben auf Länder-Ebene gesondert geregelt. Poker ist eine weitere eigene Lizenz-Kategorie.
Drei Auflagen sind aus Zahlungs-Sicht besonders relevant. Erstens das LUGAS-Limit von 1000 Euro pro Monat — anbieterübergreifend, also nicht 1000 Euro pro Casino, sondern 1000 Euro insgesamt auf alle deutsch-lizenzierten Online-Glücksspiele. Wer den Betrag erhöhen will, kann seit September 2023 unter bestimmten Bonitäts- und Selbstauskunft-Bedingungen auf bis zu 10000 Euro hochstufen, was in der Praxis aber nur eine kleine Minderheit nutzt. Zweitens das Spin-Limit von 1 Euro pro Drehung bei Slots und die verpflichtende Pause von 5 Sekunden zwischen den Spins. Drittens das Werbe- und Vermittlungsverbot für nicht-lizenzierte Angebote, das in §5 GlüStV verankert ist und über Banken und Zahlungsanbieter Wirkung entfaltet.
Für Giropay als Bankzahlungs-Methode bedeutete der GlüStV 2021 eine klare Position. Eine Casino-Plattform durfte Giropay nur dann anbieten, wenn sie selbst eine GGL-Lizenz besaß. Die Bank im Hintergrund — also die Hausbank des Spielers, die die Zahlung initiierte — durfte ihrerseits nicht aktiv prüfen, ob das Empfänger-Casino lizenziert war. Das wurde über die Whitelist gelöst, dazu später mehr. Die regulatorische Logik war elegant: Statt jede einzelne Transaktion zu filtern, wird die Quelle der Zulässigkeit beim Empfänger geprüft.
Was am GlüStV 2021 oft unterschätzt wird, ist die Föderalismus-Komponente. Der Vertrag ist ein Staatsvertrag zwischen den 16 Bundesländern, nicht ein Bundesgesetz. Das bedeutet, dass Änderungen extrem schwerfällig sind — jede Anpassung muss von allen 16 Länder-Parlamenten ratifiziert werden. Die für 2026 anstehende Evaluation des Vertrags wird voraussichtlich zu einer Novelle führen, aber niemand in der Branche erwartet einen schnellen Durchbruch. Für die Zahlungsbranche heißt das: Die Spielregeln bleiben über mehrere Jahre stabil, was Planungssicherheit gibt, aber auch verzögert, dass moderne Methoden wie Wero oder Open-Banking-Lösungen schnell in den Rahmen integriert werden.
Legale Online-Casinos in Deutschland 2026
„Wie viele lizenzierte Online-Casinos gibt es eigentlich in Deutschland?“ — diese Frage höre ich von Lesern und Kollegen vermutlich am häufigsten. Die Antwort ist ernüchternd klein und genau das ist die eigentliche Story. Stand 26. Mai 2025 listete die GGL fünf gültige Online-Casino-Lizenzen — vier davon mit Sitz in Schleswig-Holstein, eine in Bayern. Im Sommer 2026 ist die Zahl auf rund acht bis neun gewachsen, je nach Zählweise und ob man Live-Tischspiel-Erweiterungen mitrechnet.
Die vier Schleswig-Holstein-Lizenzen wurden 2024 erteilt. Sie unterscheiden sich in einem Detail, das selten transparent ist: Diese Lizenzen erlauben innerhalb des Bundesgebiets das Angebot von Online-Casino-Spielen, fallen aber gleichzeitig unter die GlüStV-2021-Regeln. Das heißt, das LUGAS-Limit, die Spin-Beschränkung und die OASIS-Pflicht gelten auch für SH-Lizenz-Anbieter, wenn sie bundesweit Spieler annehmen. Die Bayerische Lizenz, vergeben durch die zuständige Landesbehörde in München, ist organisatorisch eigenständig, folgt aber denselben Spielregeln.
Wer den deutschen Markt mit Malta oder Curaçao vergleicht, sieht den Unterschied sofort. Malta listet bis zu 300 aktive iGaming-Lizenzen, Curaçao deutlich mehr. Deutschland steht mit einer einstelligen Zahl da. Das ist Absicht. Der GlüStV 2021 wurde nicht entworfen, um einen breiten Markt zu erzeugen, sondern um einen kontrollierten Markt zu erlauben. Die Zulassungs-Hürden sind hoch — Eigenkapital-Anforderungen, technische Audits, Anbindung an LUGAS und OASIS, transparente Eigentümer-Struktur, deutscher Server-Standort für die Spielerdaten und vieles mehr.
Aus Zahlungs-Sicht ist die niedrige Lizenzzahl gleichzeitig Vor- und Nachteil. Vorteil: Jede einzelne Lizenz wird intensiv begleitet, Zahlungs-Architekturen sind standardisiert, und die Banken haben eine überschaubare Liste von Empfängern, die sie als legal markieren müssen. Nachteil: Der Wettbewerb innerhalb der Lizenz-Anbieter ist eingeschränkt, was sich auf Bonus-Konditionen, Spielvielfalt und auch auf die Bereitschaft auswirkt, neue Zahlungsmethoden schnell zu integrieren. Wer 2024 als lizenziertes Casino Giropay anbot, war sicher, dass es Konkurrenten nicht in unbegrenzter Zahl gab.
Eine wichtige Klarstellung für Spieler: Außerhalb der GGL-Whitelist gibt es weiter Tausende deutschsprachige Casino-Webseiten, oft mit Lizenz aus Malta, Curaçao, Anjouan oder Tobique. Diese Anbieter sind nicht für Deutschland zugelassen. Bei einer Zahlung an einen solchen Anbieter agiert die deutsche Hausbank in einer Grauzone, und der Spieler verliert wesentliche Schutzrechte. Die GGL kommuniziert das auf ihrer Webseite Whitelist-DE deutlich, hat aber praktisch keinen Hebel, um die Erreichbarkeit dieser Anbieter zu unterbinden, sobald sie technisch über VPN oder über DNS-Workarounds zugänglich sind. Genau hier setzt seit 2024 die Zusammenarbeit mit Internet-Service-Providern an, die nach DNS-Sperr-Verfügungen einzelne Domains blockieren.
Giropay und die Lizenz-Frage historisch
Bei Vorträgen zum deutschen Glücksspielmarkt zeige ich gerne einen Screenshot aus dem Frühjahr 2024. Ein Online-Casino mit GGL-Lizenz, im Zahlungs-Auswahl-Dialog stehen Visa, Mastercard, Klarna, Trustly, Sofortüberweisung und Giropay. Heute, Anfang 2026, ist von dieser Liste die Giropay-Zeile verschwunden. Wer die Geschichte dahinter kennt, versteht den deutschen Markt besser.
Giropay war zwischen Sommer 2021 und Dezember 2024 in den lizenzierten Online-Casinos eine etablierte, wenn auch nie marktführende Methode. Die Paydirekt GmbH als Betreiber von Giropay hatte mit den Casino-Anbietern und den dahinter stehenden Payment-Service-Providern bilaterale Verträge, die das Volumen auf legale Anbieter beschränkten. Die deutschen Banken — Sparkassen, Volksbanken und die meisten Privatbanken — waren über Giropay an die Casino-Plattformen angebunden und konnten Echtzeit-Bankzahlungen an die wenigen lizenzierten Adressaten abwickeln.
Was die Anbindung legal machte, war die Whitelist-Logik der GGL. Im Hintergrund existierte eine Liste der zulässigen Empfänger-Konten, die zwischen GGL, Paydirekt und den teilnehmenden Banken abgestimmt war. Eine Transaktion an einen nicht gelisteten Empfänger ließ sich über Giropay schlicht nicht ausführen — der technische Workflow von Giropay erforderte eine vorab freigeschaltete Empfänger-Anbindung. Diese Architektur war einer der Gründe, warum Giropay als Methode in der Casino-Welt nie das Volumen von PayPal oder Sofortüberweisung erreichte, aber als „saubere“ Methode bei Spielern und Compliance-Abteilungen geschätzt war.
Die Asymmetrie zwischen Akzeptanz und Volumen wurde nie aufgelöst. Während Giropay 2024 noch rund 45 Millionen Nutzer in Deutschland zählte, war der Marktanteil im Online-Handel insgesamt bei nur 0,4 Prozent, was sich auch im Casino-Bereich widerspiegelte. Hauptkonkurrenten waren PayPal, das mit weitaus aggressiverem Marketing präsent war, und die klassische Bankkartenzahlung. In der Casino-Liste der lizenzierten Anbieter erschien Giropay häufig als dritte oder vierte Option — selten als bevorzugte Methode der Spieler, aber als Vertrauensanker für jene, die Wallet-Lösungen meiden wollten.
Im Dezember 2024 endete diese Phase. Mit der vollständigen Abschaltung von Giropay verschwand die Methode aus allen Casino-Plattformen. Die regulatorische Frage stellte sich neu: Welche Methoden ersetzen Giropay als Bank-direkte Echtzeit-Zahlung im lizenzierten Casino-Bereich? Die Antwort liefert seit 2025 ein Methoden-Mix aus SEPA Instant, Open-Banking-Lösungen wie Trustly und Klarna sowie der langsame Einstieg von Wero. Wer den vollständigen Methodenvergleich und Auszahlung nachvollziehen will, findet dort eine technische Aufschlüsselung der Nachfolger.
Whitelist, Prüfverfahren und das Empfänger-Konto
Die GGL-Whitelist ist eines der praktisch wirksamsten und gleichzeitig am wenigsten verstandenen Instrumente der deutschen Glücksspiel-Aufsicht. Wer die Liste googelt, findet auf whitelist-DE.de eine schlichte Tabelle mit Anbieter-Namen und Lizenz-Status. Was im Hintergrund passiert, ist deutlich komplexer.
Die Whitelist ist im Kern eine Datenbank, die zwischen der GGL, den teilnehmenden Banken, dem Bundesverwaltungsamt und seit 2024 auch der BaFin synchronisiert wird. Sie enthält für jeden lizenzierten Anbieter die Empfänger-Kontonummer beziehungsweise IBAN, an die Spielergelder eingezahlt werden dürfen. Eine Zahlung an eine IBAN, die nicht auf der Liste steht, kann theoretisch von der Bank des Spielers automatisch geblockt werden — in der Praxis passiert das aktuell nur bei besonders bekannten illegalen Anbietern und nur auf konkrete Anweisung der GGL.
Die zweite Funktion der Whitelist ist die Werbeerlaubnis. Suchmaschinen und soziale Netzwerke prüfen seit September 2024, ob ein Anbieter, der Werbung schalten will, in der GGL-Whitelist gelistet ist. Wer nicht gelistet ist, bekommt keine Anzeigen mehr ausgespielt. Das hat den deutschen Glücksspiel-Werbemarkt fundamental verändert und gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, die seit dem GlüStV 2021 umgesetzt wurden.
Aus Zahlungs-Sicht ist das Prüfverfahren für die Aufnahme in die Whitelist anspruchsvoll. Ein Anbieter muss neben der eigentlichen GGL-Lizenz unter anderem Folgendes nachweisen:
| Prüfgegenstand | Inhalt | Wer prüft |
|---|---|---|
| Anbindung an LUGAS | Echtzeit-Übermittlung von Einzahlungen, Verlusten und Spieler-Stammdaten | GGL, technisch über das LUGAS-Backend |
| Anbindung an OASIS | Abfrage jedes Spielers vor Spielfreigabe auf Sperrstatus | RP Darmstadt, OASIS-Geschäftsstelle |
| Geldwäsche-Programm | Compliance-Beauftragter, Risikoklassifikation, Verdachtsmeldungen | BaFin im Rahmen GwG, FIU |
| Server-Standort | Spieler-Daten innerhalb der EU, kritische Funktionen in Deutschland | GGL, Datenschutz-Aufsicht der Länder |
| Eigenkapital und Haftung | Mindestkapital, Bankbürgschaft für Spielerguthaben | GGL Erlaubnisstelle, Wirtschaftsprüfer |
| Empfänger-Konto und Zahlungswege | IBAN-Listung, technische Spezifikation der Initiations-Schnittstellen | GGL gemeinsam mit Banken und PSPs |
Die meisten dieser Punkte sind keine einmalige Hürde, sondern dauerhafte Pflichten. Eine Lizenz kann widerrufen werden, wenn ein Punkt dauerhaft nicht eingehalten wird. Für Giropay als historische Methode bedeutete das vor allem, dass die Bankgruppe hinter Giropay ihrerseits auf die GGL-Listung der Empfänger angewiesen war, um Zahlungen technisch durchführen zu können. Mit der Abschaltung von Giropay verschob sich diese Funktion auf die SEPA-Instant-Schiene und die Open-Banking-Anbieter wie Trustly und Klarna.
Werbeverbot und der Google-Ads-Kanal
Wer Anfang 2024 in Deutschland die Suche „Online Casino“ bei Google eingab, sah eine Mischung aus lizenzierten Anbietern und Affiliate-Seiten, die teils auf legale, teils auf nicht-lizenzierte Casinos verwiesen. Wer dieselbe Suche heute, im Frühjahr 2026, eingibt, bekommt ein deutlich saubereres Ergebnis. Der Grund ist eine Regulierung, die am 25. September 2024 in Kraft trat und seither die Werbung für Online-Glücksspiel in Deutschland fundamental verändert hat.
Seit diesem Datum dürfen Google Ads und ähnliche Werbenetzwerke für Online-Glücksspiel in Deutschland ausschließlich an Anbieter mit gültiger GGL-Lizenz vergeben werden. Das klingt zunächst nach einer rein technischen Anpassung der Werberichtlinien, hat aber konkrete Folgen für die Branche. Anbieter ohne deutsche Lizenz sind seither faktisch aus dem deutschen Performance-Marketing ausgeschlossen, und die Konkurrenz um die wenigen verbleibenden Werbeflächen unter den lizenzierten Anbietern hat sich deutlich verschärft.
Die rechtliche Grundlage dafür liegt im §5 GlüStV 2021 in Verbindung mit den Werberichtlinien der GGL. §5 untersagt jegliche Werbung für nicht erlaubtes Glücksspiel und macht Werbende — also auch Plattformen wie Google, Meta oder TikTok — zu Mitverantwortlichen. Wer als Plattform-Betreiber Werbung für nicht-lizenzierte Anbieter zulässt, riskiert Sanktionen bis hin zur Sperrung der eigenen Werbe-Konten in Deutschland. Google hat darauf mit einer strikten Whitelist-Prüfung reagiert, die jeden Werbetreibenden vor der Schaltung gegen die GGL-Liste abgleicht.
Für Spieler hat das einen praktischen Nebeneffekt: Wer in Deutschland eine Werbung für ein Online-Casino sieht, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um einen lizenzierten Anbieter handelt. Das gilt für Google Ads, für Suchergebnisse, für YouTube-Werbung und für die meisten großen Display-Netzwerke. Affiliate-Seiten, die in Suchergebnissen organisch ranken, fallen nicht unter diese Werberichtlinie, müssen aber ihrerseits aufpassen, keine direkte Empfehlung für nicht-lizenzierte Anbieter auszusprechen, sonst greifen die §284-StGB-Risiken — Beihilfe zur Veranstaltung unerlaubten Glücksspiels.
Aus Praktiker-Sicht ist die Werbe-Beschränkung das wahrscheinlich wirksamste Aufsichts-Instrument der vergangenen Jahre. Die Cost-per-Click für deutsche Casino-Keywords ist seit September 2024 spürbar gestiegen, was darauf hindeutet, dass das Angebot an konformen Werbeflächen begrenzt ist. Gleichzeitig sind die Conversion-Quoten gestiegen, weil weniger illegale Konkurrenz Klicks abgreift. Das macht den lizenzierten Markt für Anbieter wirtschaftlich attraktiver — was wiederum der eigentliche Sinn der Regulierung ist: Die Differenz zwischen legal und illegal aus Sicht der Anbieter zu vergrößern.
Rückzahlungs-Klagen und die Rolle der Gerichte
Ich erinnere mich an einen Anruf eines Kollegen aus der Compliance-Abteilung im Frühjahr 2024. Er fragte, ob ich die LG-Entscheidung aus Köln vom Dezember 2023 schon kenne — ein deutsches Landgericht hatte einen Spieler-Verlust von mehreren Tausend Euro vollständig rückzahlbar erklärt, weil das beklagte Casino keine deutsche Lizenz besaß. Die Antwort war ja, aber ich verstand erst Wochen später, wie groß die Welle werden würde, die diese und ähnliche Entscheidungen losgetreten haben.
Die deutsche Zivilrechtsprechung hat seit 2022 in einer Reihe von Urteilen festgestellt: Wer in einem nicht für Deutschland lizenzierten Online-Casino Geld verloren hat, kann diese Verluste unter bestimmten Voraussetzungen zurückfordern. Die juristische Begründung stützt sich auf §134 BGB in Verbindung mit §284 StGB — Verträge über verbotenes Glücksspiel sind nichtig, und gezahlte Einsätze können nach Bereicherungsrecht zurückgefordert werden. Maßgebliche Entscheidungen kamen unter anderem vom OLG Hamm, OLG Frankfurt am Main, OLG Karlsruhe und in mehreren Fällen vom Bundesgerichtshof.
Was die Rechtsprechung praktisch wirksam macht, ist die Beweislast-Verteilung. Der Spieler muss in der Regel nachweisen, dass er Geld an einen bestimmten Anbieter überwiesen hat — was über Banktransaktionen oder Kreditkarten-Abrechnungen meist gut dokumentiert ist. Der Anbieter muss dann beweisen, dass er entweder eine deutsche Lizenz hatte oder dass der Spieler aus dem Ausland operierte und damit nicht unter deutsches Recht fiel. Beides ist für die meisten nicht-lizenzierten Anbieter schwierig zu zeigen, weshalb eine Vielzahl von Klagen erfolgreich endeten.
Konkret betroffen sind dabei Verluste, die zwischen 2018 und Mitte 2021 entstanden sind — also vor der vollständigen Inkraftsetzung des GlüStV 2021. Aber auch Verluste nach Juli 2021 bei nicht-lizenzierten Anbietern sind weiterhin rückforderbar, weil diese Anbieter eben nicht über eine GGL-Lizenz verfügen. Wer in einem GGL-lizenzierten Casino spielt und verliert, hat keinen solchen Rückforderungs-Anspruch, weil der zugrundeliegende Vertrag wirksam ist.
Für die Zahlungsbranche ist diese Rechtsprechung doppelt relevant. Erstens gibt es seit 2023 eine wachsende Zahl von Klagen gegen Banken und Zahlungsdienstleister mit der Begründung, sie hätten die Zahlungen an nicht-lizenzierte Anbieter wissentlich oder grob fahrlässig ermöglicht. Die Linie hier ist juristisch noch nicht ausgereizt — eine Reihe von Gerichten hat solche Sekundär-Klagen abgewiesen, andere haben Banken zumindest zu Auskunfts-Pflichten verurteilt. Zweitens hat die Whitelist der GGL durch diese Klagen einen zusätzlichen Schub bekommen, weil sowohl Banken als auch Casinos ein konkretes wirtschaftliches Interesse haben, ausschließlich an lizenzierte Empfänger zu zahlen.
Wer als Spieler eine solche Klage in Erwägung zieht, sollte zwei Punkte verstehen. Erstens dauern diese Verfahren häufig 18 bis 36 Monate, bis ein erstinstanzliches Urteil ergeht, und die Anbieter gehen häufig in Berufung. Zweitens gibt es zunehmend spezialisierte Anwaltskanzleien und Prozessfinanzierer, die solche Klagen auf Erfolgsbasis übernehmen. Die juristische Aufarbeitung der Vor-Lizenz-Phase wird die deutsche Glücksspiel-Branche voraussichtlich noch bis Ende der 2020er Jahre begleiten.
Wo der Markt Anfang 2026 steht
Seit der Giropay-Abschaltung sind 14 Monate vergangen, und die deutsche Online-Casino-Landschaft hat sich in dieser Zeit deutlich verändert. Wer die regulatorische Lage Anfang 2026 sauber einordnen will, muss vier Verschiebungen gleichzeitig im Blick haben.
Die erste Verschiebung betrifft die Zahl der Lizenzen. Von fünf Online-Casino-Lizenzen im Mai 2025 ist die Liste auf inzwischen rund acht angewachsen — die genaue Zahl variiert je nach Stichtag und je nachdem, ob Live-Tischspiel-Erweiterungen mitgezählt werden. Mehrere Anbieter, die seit 2022 im Lizenz-Verfahren stehen, haben 2025 und Anfang 2026 ihre Genehmigung erhalten. Das deutet darauf hin, dass die GGL die Bearbeitungs-Geschwindigkeit erhöht hat, was lange ein Kritikpunkt der Branche war.
Die zweite Verschiebung betrifft die Zahlungsmethoden. Nach dem Wegfall von Giropay haben sich SEPA Instant, Trustly, Klarna und die klassische Bankkartenzahlung als Standard-Methoden etabliert. Wero ist Anfang 2026 in der Pilot-Phase bei den ersten lizenzierten Anbietern, voraussichtlich ab Mitte 2026 als breit verfügbare Option. Die regulatorische Logik des Whitelist-Prinzips greift bei allen diesen Methoden gleich — der Empfänger muss in der GGL-Whitelist gelistet sein, sonst ist die Zahlung nicht zulässig.
Die dritte Verschiebung betrifft die Aufsichts-Praxis. Die GGL hat 2024 und 2025 ihre Durchsetzungs-Aktivitäten gegen nicht-lizenzierte Anbieter deutlich verstärkt — 231 Untersagungsverfahren und 1700 geprüfte Webseiten allein in 2024 sind ein Volumen, das im Vergleich zur Vor-GGL-Phase fünfmal höher liegt. DNS-Sperren, Zahlungs-Blocking-Anweisungen an Banken und die Werbe-Whitelist haben sich als Werkzeug-Kasten etabliert, der zwar nicht jede Webseite vom Netz nimmt, aber die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit illegaler Anbieter im deutschen Markt deutlich reduziert.
Die vierte Verschiebung betrifft den Spieler-Schutz. LUGAS, OASIS und die Selbstauskunfts-Mechanismen wurden technisch ausgereifter, die Datenlage zu Spielsucht und Risiko-Spielen verbessert sich kontinuierlich. Was 2021 noch als Provisorium wirkte, ist 2026 ein eingespielter Apparat. Das Limit von 1000 Euro pro Monat wird automatisch über alle lizenzierten Anbieter hinweg überwacht, das 1-Euro-Spin-Limit ist auf Provider-Ebene technisch fest verdrahtet, und OASIS-Sperren werden in Echtzeit synchronisiert.
Für mich als Zahlungs-Analyst ist die Lage 2026 deutlich klarer als zwei Jahre vorher. Die Trennlinie zwischen lizenziertem und nicht-lizenziertem Markt ist schärfer, die Werkzeuge auf Aufsichts-Seite sind robuster, und die Spieler haben in den lizenzierten Häusern einen Schutz-Rahmen, der zumindest auf dem Papier zu den strengsten der Welt gehört. Was bleibt, ist die regulatorische Asymmetrie zwischen dem geschützten Inland-Markt und dem schwer eingrenzbaren Graumarkt — und genau diese Asymmetrie wird die Politik der kommenden Jahre prägen.