Giropay vs Klarna Sofort: zwei deutsche Bankzahlungs-Schulen und ihr Wandel
Es gab eine Zeit, in der die größte Auseinandersetzung im deutschen Bank-direkt-Zahlungsmarkt nicht zwischen Bank und E-Wallet stattfand, sondern zwischen Giropay und Sofortüberweisung. Beide Methoden lösten dasselbe Problem — die direkte Banküberweisung im Online-Kassenbereich — aus zwei diametral entgegengesetzten Architekturphilosophien. Das eine Produkt gehörte den Banken, das andere arbeitete an ihnen vorbei. Die Geschichte dieser Rivalität ist mehr als nostalgisch; sie erklärt, warum Klarna Sofort heute eine andere Methode ist, als die Sofortüberweisung von 2015 es war.
Die historische Rivalität
Eine Anekdote aus 2018: ich saß bei einem Fintech-Treffen, und ein Manager der damaligen Sofort GmbH erklärte halb spöttisch, dass Giropay das Bank-direkt-Wettrennen verloren habe, bevor es überhaupt begonnen hatte. Sein Argument: Sofortüberweisung sei früher am Markt gewesen, technisch flexibler und unabhängig von der Bereitschaft der Banken zur Kooperation. Im Rückblick war das eine Hälfte der Wahrheit — die andere Hälfte schrieb die Regulierung.
Die Sofortüberweisung wurde 2005 von der bayerischen Payment Network AG (später Sofort GmbH) gegründet. Klarna kaufte das Unternehmen 2014 und integrierte den Dienst Schritt für Schritt in das eigene Markenuniversum, bis aus Sofortüberweisung schließlich Klarna Sofort wurde. Im selben Zeitraum entstand Giropay als Reaktion der deutschen Kreditwirtschaft auf ein Produkt, das ohne Bankbeteiligung an deren Kundendaten herankam.
Die Logik des Wettbewerbs war asymmetrisch. Sofortüberweisung griff über sogenanntes Screen-Scraping auf die Banking-Login-Daten zu — der Spieler gab Bankkennung und PIN auf der Sofort-Maske ein, das System loggte sich anschließend im Online-Banking der Bank ein und führte die Überweisung im Namen des Kunden aus. Giropay hingegen bekam die Bestätigung direkt aus dem Banksystem, ohne dass die Anmeldedaten je außerhalb der Bank-Login-Maske geblieben wären.
Funktionsweise im Vergleich
Hier wird der Architektur-Unterschied technisch konkret. Giropay funktionierte als Initiierungsprotokoll: das Casino leitete den Spieler auf die Giropay-Maske, von dort auf die Bank-Login-Seite, Anmeldung mit PIN, TAN-Bestätigung, Rückleitung. Das Banking-Passwort verließ nie das Banksystem. Bestätigung der Überweisung kam direkt von der Bank an Giropay, an das Casino ging nur „erfolgreich/nicht erfolgreich“.
Sofortüberweisung war komplexer. Der Spieler gab auf der Sofort-Maske seine Bankleitzahl und seine Online-Banking-Zugangsdaten ein. Die Sofort-Software loggte sich im Hintergrund als virtueller Nutzer im Online-Banking ein, suchte die Überweisungsmaske, füllte die Felder aus und löste die TAN-Bestätigung aus. Das funktionierte zuverlässig, war aber konzeptionell ein Eingriff in das Banksystem, der Banken nicht autorisiert hatten.
Genau dieser Punkt führte zu jahrelangen Auseinandersetzungen. Banken klagten, Verbraucherschützer äußerten Bedenken zur Sicherheit der Login-Datenweitergabe an einen Drittanbieter, und das Bundeskartellamt befasste sich mit der Frage, ob Banken die Sofortüberweisung absichtlich behinderten. Die juristische Klärung kam erst 2019 mit der vollständigen Umsetzung der PSD2.
PSD2-Wandel und das Ende des Screen-Scrapings
Die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 hat das Spielfeld 2019 grundlegend neu vermessen. Sie verbot das Screen-Scraping in seiner alten Form und schrieb stattdessen offene Programmierschnittstellen (APIs) der Banken vor, die Drittanbieter für autorisierte Zahlungsauslösung nutzen konnten. Aus dem grauen Bereich der Sofortüberweisung wurde der regulierte Bereich des Open Banking.
Klarna Sofort musste sich auf diese neuen Spielregeln umstellen. Die Sofort-Login-Maske, die früher als Eingriff galt, ist heute eine PSD2-konforme Schnittstelle zur Authentifizierung des Spielers gegenüber der Bank. Die Login-Daten werden nicht mehr von Klarna ausgelesen, sondern direkt an die Bank weitergeleitet, die ihrerseits die SCA durchführt und ein Bestätigungs-Token zurückgibt. Das ist technisch ein anderes Verfahren, sieht für den Spieler aber fast identisch aus wie früher.
Die Umstellung hatte einen Übergangseffekt, der bei manchen Spielern Verwirrung auslöste. In den Jahren 2019 bis 2021 funktionierten einige Bankverbindungen unter Klarna Sofort zeitweise nicht, weil die PSD2-Schnittstellen der jeweiligen Banken noch nicht stabil ausgerollt waren. Bis 2022 hatte sich die Situation weitgehend normalisiert, aber das Vertrauen einiger Nutzer in die Methode war geknickt. Genau in dieser Zeit gewann Trustly im deutschen Markt an Boden.
Wie Michiel Hoogeveen, MEP und Lead-Rapporteur der Instant Payments Regulation, im Februar 2024 zusammenfasste: „The Instant Payments Regulation marks the long-awaited modernisation of payments in the European single market. Customers can now say goodbye to the inconvenience of waiting two or three working days to access their money. We are delivering on something that people and businesses truly care about: transferring money within 10 seconds at any time of the day.“ Genau diese Regulierung schließt den Übergang von der alten Sofortüberweisung zu einer modernen, PSD2-konformen Open-Banking-Schiene ab.
Für Giropay war diese Verschiebung weniger einschneidend, weil das Produkt ohnehin innerhalb der Banksysteme operierte. Die PSD2 brachte für Giropay vor allem die SCA-Verpflichtung — und damit eine Standardisierung der TAN-Verfahren. Klarna Sofort hingegen musste seine gesamte technische Architektur überarbeiten, um regulatorisch zu überleben.
Casino-Akzeptanz im Vergleich
In deutschen GGL-lizenzierten Casinos waren Giropay und Klarna Sofort lange parallel präsent — fast jedes größere lizenzierte Casino bot beide Methoden an. Mit der Abschaltung von Giropay zum 31. Dezember 2024 ist diese Symmetrie aufgebrochen. Klarna Sofort hat einen Teil der frei gewordenen Marktanteile übernommen, ohne dass es ein direkter Eins-zu-eins-Ersatz wäre.
Was sich für Spieler unterschiedlich anfühlt: bei Klarna Sofort ist die Marke Klarna selbst Teil der Markenwahrnehmung. Wer Klarna bereits aus Käufen kennt — etwa als Buy-Now-Pay-Later-Anbieter im Onlinehandel — bringt eine Markenkenntnis mit, die sich auf das Casino-Vertrauen überträgt. Bei Giropay war das ähnlich, allerdings stand das Logo eher für die deutsche Kreditwirtschaft als für ein einzelnes Unternehmen. Diese Trennung zwischen Bankenkollektiv und Fintech-Marke ist subtil, aber sie prägt das Vertrauensgefühl jeder Methode.
Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit aus § 6c GlüStV von 1 000 Euro pro Monat trifft beide Methoden identisch. Wer über Klarna Sofort einzahlt, sieht denselben Real-Time-Abgleich mit LUGAS wie bei Giropay zu Lebzeiten. Methodenwechsel ändert daran nichts — das Limit ist anbieterübergreifend, methodenübergreifend und in Echtzeit.
Eine Eigenheit, die Klarna Sofort von Giropay erbt, betrifft die Bonus-Behandlung. Beide Methoden tauchten in der historischen Klassifizierung „Bonus-sichere Methoden“ der Casinos auf — und wurden deshalb häufig von Welcome-Boni ausgeschlossen oder an höhere Mindesteinzahlungen gekoppelt. Wer einen Bonus über Klarna Sofort einlösen will, prüft die Methodenliste am Ende der Bonus-AGB. Genau diese kleine Liste war früher der Grund, warum Spieler ihre Methode wechselten — und sie ist es heute oft noch.
Was aktuell für Spieler bleibt
Klarna Sofort ist 2026 eine der drei Hauptanker im Bank-direkt-Korridor — neben SEPA Instant über die eigene Banking-App und Trustly Open Banking. Die drei Methoden teilen sich den Marktanteil, den Giropay allein bediente, mit leicht unterschiedlichen Profilen. Klarna Sofort gewinnt durch die Markenbekanntheit und die historisch hohe Bankenanbindung, SEPA Instant durch die Direktheit, Trustly durch die pan-europäische Konsistenz.
Was bleibt, ist eine wichtige Lehre aus dem Vergleich. Die ehrliche Frage „Welche Methode war besser?“ lässt sich nicht abschließend beantworten — beide hatten ihre eigene Schule. Giropay vertrat die Banken-zentrierte Schule, Klarna Sofort die Aggregator-Schule, die nach PSD2 zur Open-Banking-Schule wurde. Heute existieren beide Modelle weiter, nur unter neuen Namen und in einer PSD2-konformen Architektur. Wer den nächsten Vergleichsstrang verfolgen will — die direkte Konkurrenz mit dem EU-Standard SEPA Instant — findet diesen im eigenen Vergleich von Giropay und SEPA Instant.